„Ein kleines Strom-/Gaspreisverhältnis ist für den Wärmepumpenhochlauf notwendig, aber nicht ausreichend. Er wird nur gelingen, wenn auch die Einbaukosten deutlich sinken.“
GV
Eine Analyse von KfW Research [1] kommt zu folgendem Ergebnis: „Das Verhältnis von Strom- zu Gaspreis ist mitentscheidend dafür, ob in einem Land viele Wärmepumpen verkauft werden. Diese werden dann besonders oft genutzt, wenn Gas im Vergleich zu Strom relativ teuer ist. Konkret wäre für ein Land wie Deutschland – das im Jahr 2023 einen Absatz von etwa 11 Wärmepumpen pro 1000 Haushalte hatte und in dem Strom im Vorjahr etwa viermal teurer war als Gas – durch eine Halbierung des Strompreises oder eine Verdopplung des Gaspreises nahezu eine Verdopplung des Absatzes an Wärmepumpen zu erwarten.“
Nun werden viele Branchenakteure denken, „das haben wir doch schon immer gesagt“, und sie werden vermutlich hoffen, dass die KfW-Research-Analyse damit den Druck auf die Politik erhöht. Aus Berlin kommen ja bereits Signale, in der Breite die Strompreise zu senken.
Entscheidend ist aber in der zitierten Ergebniszuspitzung das Wort „mitentscheidend“.
Sehr unterschiedliche Rahmenbedingungen
Denn einen großen Teil des Ergebnisses leitet KfW Research aus dem Vergleich europäischer Länder mit hoher und niedriger Wärmepumpen-Zubaurate und ihrem Wärmepumpenbestand ab. Jedoch ohne landesspezifische Besonderheiten bei
● der lokalen Verfügbarkeit von Energieträgern und ● der Eigentümerstruktur, ● den umgestellten Heizungssystemen, ● den vor Ort hauptsächlich eingesetzten Wärmepumpen-Systemen, ● der Anzahl der Systeme pro Wohneinheit und ● den typischen Kosten
für einen Umstieg zu berücksichtigen. In einigen Ländern kann man eher erkennen, dass dort das direktelektrische Heizen zu teuer geworden ist und Klimasystem-Wärmepumpen die naheliegende Lösung für dieses Problem und mehr Komfort gewesen sind.
Künftige Kostentreiber treffen verstärkt Erdgas
In der aktuellen Marktsituation verschiebt ein kleineres Strom-/Gaspreisverhältnis die Energiebedarfsgrenze, über der eine Wärmepumpen-Heizung günstiger als eine Gas-Heizung ist. Diese Grenze hat auch regionale Prägungen (Netzentgelte), was die KfW-Research-Analyse vorbildlich zeigt und auch das Strom-/Gaspreis-Barometer dokumentiert. Was in der Studie unberücksichtigt bleibt: Ein immer noch sehr hoher Bestand an Öl-Heizungen, insbesondere in Ein- und Zweifamilienhäusern. Heizöl hat zwar einen höheren CO2-Emissionsfaktor und verteuert sich mit steigendem CO2-Preis stärker als Erdgas, ist jedoch nicht unmittelbar von der Problematik schnell steigender Transportpreise betroffen. Dies gilt auch für Flüssiggas.
Um die Anzahl der jährlichen Wärmepumpen-Installationen dauerhaft zu erhöhen, müssen auch die Einbaukosten erheblich gesenkt werden. Zurzeit geschieht dies über die Heizungsförderung aus guten Gründen: Warum der Wärmepumpenhochlauf gefördert werden muss: Solange keine Gewissheit zur Höhe der CO2-Bepreisung existiert und solange sich die angebotenen Einbaukosten am 30 000-Euro-Deckel der Heizungsförderung orientieren, ist der Wärmepumpenhochlauf auch mit sehr niedrigen Strompreisen limitiert – was dann zunehmend auch direktelektrisches Heizen günstiger machen würde.
Verdopplung ist nicht mehr ausreichend
Der Absatz im Jahr 2023 von 356 000 Heizungs-Wärmepumpen ist nicht repräsentativ. Korrigiert man ihn um die Fehleinschätzung der Branche auf eine echte Nachfrage von etwa 270 000 Geräten, wird deutlich, dass eine Verdoppelung nur das erste Etappenziel – mehr als 500 000 neu installierten Heizungs-Wärmepumpen pro Jahr – streift. Das Dekarbonisierungsziel für den Gebäudesektor ist damit noch nicht erreichbar. Eine Verdopplung ist inzwischen nicht mehr ausreichend.
[1] Letz, Carolin; Rode, Johannes; Römer, Daniel: Die Wärmepumpe etabliert sich in Europa – der Strompreis als Faktor. Frankfurt am Main: KfW Research, Fokus Volkswirtschaft Nr. 487, 20. Februar 2025, PDF-Download der Studie: www.kfw.de/fokus